Brief im Kamin – Teil 1

Laura, 37 - Juni 2026

Ich betrat das Haus meiner Jugend. Zum ersten Mal seit 17 Jahren. Es roch herrlich nach Holz, aber der Kamin war aus. Es war kühl im Raum…

Damals am Kamin

Ich strich mit der Hand über die Lehne des alten Sessels, in dem meine Großmutter immer gesessen hat. Ich erinnerte mich wie meine Großmutter mir als Kind Geschichten vor dem brennenden Kamin vorlas. Die Geschichten waren immer ein wenig zu geheimnisvoll, um reine Märchen zu sein.

Meine Oma war schon lange nicht mehr. Meinen überstürzten Auszug vor siebzehn Jahren hat sie nicht mehr miterlebt. Auch nicht das Zerwürfnis mit meiner Mutter.

Spukhaus erwacht zum Leben

Das Haus stand seit zwei Monaten leer. Ich hatte es von meiner Mutter geerbt. Inzwischen war hier einiges los. Handwerker waren überall, sie sägten, schraubten, spachtelten, strichen und verputzten. Ein paar von ihnen deckten oben das Dach. Den alten Kamin wollte sich auch jemand ansehen – ein rüstiger Kaminbaumeister und sein junger Azubi. Sie wollten nachsehen, ob mit der Anlage alles in Ordnung war.

Das Haus war stark renovierungsbedürftig. Ich hatte mich sofort darum gekümmert. Die Handwerker waren schon seit Wochen da. Und inzwischen sah es in dem Haus auch schon viel besser aus als auf den Fotos. Auf den Fotos hatte es hier ausgesehen wie im Spukhaus. Und nun war trotz Farbe, Werkzeug und Abdeckfolien offensichtlich, dass das Haus zum neuen Leben erwachte.

Entdeckung im Kamin

Ich hockte mich vor den Kamin. Die Asche war kalt, aber etwas darin leuchtete. Ein Umschlag, leicht angesengt, als wäre er im letzten Moment den Flammen entkommen. Ich streckte die Hand danach aus und zog ihn aus der Asche. Ich konnte es nicht fassen – mein Name stand darauf.

Mit zitternden Händen öffnete ich den Umschlag. Darin lag kein Brief. Auch kein Bild. Es war eine Kette. Eine alte Kette aus dunkelgrünem Stein, abgenutzt und zerkratzt im Lauf der Zeit. Ich kannte die Kette. Mein Herz begann zu pochen.

Fortsetzung folgt…