Neubeginn am Kaminfeuer

November 2020

Glitzernde Regentropfen am Fensterglas, stakkatoartiger Klang, silbrige Lichtreflexe. Tiefster Herbst, der gemächlich und unnachgiebig in den frühen Winter übergeht. Der November ist ein Monat, der gefüllt ist von einer Stimmung des Abschieds – und der noch kaum wahrnehmbar aufflammenden Vorfreude auf einen Neubeginn. 

 

Melancholische Jahreszeit

So war auch mein November herb und melancholisch. Die Farben der Natur immer trüber, der Himmel immer grauer, die Stimmung immer trister. Der Klang des Regens – ein Soundtrack für das stille Drama dieses unwirtlichen Monats.

Leergefegte Straßen, nasse Regenpfützen, peitschender Wind. Die Stadt – ein Niemandsland. Das Zuhause – ein Refugium vor den Unwägbarkeiten der Jahreszeit.

Rascheln im Kaminzimmer 

Unzählige Abende verbarg ich mich abends vor Wind und Wetter in meinem gemütlichen Domizil. Ein flauschiger Teppich oder ein tiefer Sessel, knisterndes Kaminfeuer, weiches Licht, Schatten an der Wand, Wärme. Ich umhüllte mich mit wohligen Stoffen, Daunenkissen, Wolldecken. Schaute hypnotisiert in die Flammen. Lauschte dem flüsternden Kratzen des Holzfeuers. 

Eine wunderbare Ruhe umgab mich an meinem Rückzugsort. Ein magischer innerer Frieden. Ich tauchte in eine Welt aus Gedanken und Träumen, streifte mit dem Stift über das Papier, schrieb Gedichte und Kurzgeschichten. Das Papier raschelte, der Kamin raschelte und draußen raschelte das trockene Laub. 

 

Eine schöne Vorahnung

Ich merkte es erst kaum, aber tief in mir, am Grund meines Herzens, begann etwas zu leuchten. Ein winziger Funke glänzte und schimmerte und wuchs zu einer verwegenen Funkenschar heran, die rauschte und perlte wie ein Glas Champagner. Es war dieser intuitive Hauch von Freude, eine neuartige Hoffnung, eine schöne Vorahnung. Ein Adrenalinflash wie beim Aufflammen einer verrückten neuen Idee, der Entdeckung einer genialen Lösung oder der Ankündigung einer guten Nachricht.

Und ich wusste: Bald geht der Herbst in den Winter über und es geschieht etwas Gutes.